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Freude und Tragik lagen beim Finalauftakt dicht beisammen

Mit Silber für Tina Dietze und Franziska Weber gelang den sächsichen Rennkanuten im ersten olympischen Finale am heutigen Tag ein verheißungsvoller Start. Freude und Tragik lagen beim Finalauftakt dicht beisammen. Überschattet von der traurigen Mitteilung des gestrigen Tages, dass Slalom-Bundestrainer Stefan Henze seinen schweren Unfallverletzungen erlegen ist, hieß es für die Rennsport-Finalteilnehmer heute, die sportlichen Herausforderungen mit bestmöglichen Ergebnissen zu bewältigen.

London-Olympiasieger Sebastian Brendel (Potsdam) nahm im C1 über 1000m als Erster den Kampf um die Medaillen auf. Eingerahmt von den weiteren Top-Favoriten Isaquias Queiroz dos Santos (BRA) und Serghei Tarnovschi (MDA) zeigte sich der Potsdamer von Beginn des Rennens an stets im Bilde, auch wenn der Brasilianer zunächst die meiste Zeit des Rennens die Pace bestimmte. Sebastian Brendel hielt sich jedoch auf Tuchfühlung und hatte dann auf dem letzten Streckenviertel das bessere Ende für sich. Das zweite Olympiagold war ihm nicht mehr zu nehmen, hinter ihm holten der Brasilianer Silber und der Moldawier Bronze: Gegenüber den Medien sprach der Potsdamer von einem „Riesenstück Arbeit“, im Ziel seien ihm „Tausend Steine vom Herzen gefallen“. Seine Renntaktik sei voll aufgegangen: „Das Rennen war super. Ich wollte den Brasilianer nicht zu weit weglassen und habe auf meinen Endspurt vertraut. Ich bin ja ein guter Endspurt-Fahrer. Als ich dann sah, dass er nicht mehr folgen konnte, war ich mir sicher, dass ich gewinnen würde.“

Eine Viertelstunde später sorgten Franziska Weber (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) im K2 der Damen über 500m für den nächsten Paukenschlag. In einem couragierten Rennen setzten sie das favorisierte ungarische Duo Gabriella Szabo/Danuta Kozak von Beginn an unter Druck – beide Boote lieferten sich nebeneinander paddelnd über die gesamte Strecke ein packendes Duell, bei dem am Ende die Ungarinnen um den Hauch von fünf Hundertstelsekunden vor dem deutschen Boot die Ziellinie erreichten. Bronze ging an Karolina Naja/Beata Mikolajczyk aus Polen. Trotz des denkbar knappen Ausgangs war bei den beiden Deutschen von Enttäuschung über Silber keine Spur: „Wir sind super glücklich. Natürlich hätten wir gern auch Gold gehabt, aber die Ungarinnen hatten heute eben das Glück auf ihrer Seite. Wir sind ein perfektes Rennen gefahren, bei dem wir uns an keiner Stelle etwas vorzuwerfen haben. Deshalb sind wir auch so glücklich über Silber“, fasste Franziska Weber ihre Gemütslage zusammen. Ihre Zweierpartnerin Tina Dietze fügte hinzu, nach Gold in London nun Silber gewonnen zu haben, sei „etwas ganz Besonderes. Wir kennen uns nun schon 11 Jahre, haben zusammen Höhen und Tiefen erlebt, aber es war immer unser Ziel, noch einmal im Zweier erfolgreich zu sein“. Das ist dem Potsdam/Leipziger-Duo in beeindruckender Manier gelungen.

Gleiches hatten die Mannschaftskollegen und die vielen deutschen Fans auf der Zuschauertribüne auch Max Hoff (Essen) im K1-Finale der Herren über 1000m gewünscht. Zu Beginn des Finales lief auch alles noch wie erhofft, Max war vorn mit dabei. Nach etwa 200 Metern nahm das Unheil seinen Lauf: Ein etwa hundert Meter breiter Blätterteppich schwamm auf der Strecke, anfangs durchkurvte der Kölner die dicksten Brocken noch in Slalom-Manier, doch dann spürte er einen Ruck und merkte, wie ihm die anderen langsam davon fuhren. „Ich dachte mir, ’das kann doch nicht sein, dass ich mit den anderen nicht mitfahren kann’, und habe noch mehr Gas gegeben. Doch ich musste erkennen, dass ich chancenlos war.“ Am Ende kam er auf Rang sieben ins Ziel, die Medaillen holten die anderen, Gold ging an den Spanier Marcus Walz, Silber an den Tschechen Josef Dostal und Bronze an den Russen Roman Anoshkin. Sichtlich geknickt lief der Kölner nach dem Rennen durch die Mixed-Zone und fand am Zaun zum öffentlichen Zuschauerbereich Trost bei seiner Freundin Pia. Später hatte er sich – zwar noch immer tief enttäuscht – mit dem dramatischen Schicksal einigermaßen abgefunden und richtete den Blick auf den Vierer am Freitag und am Samstag. Hier bietet sich dem 33-Jährigen noch eine Medaillenchance.

In der vierten Entscheidung des heutigen Tages war der DKV nach dem Ausscheiden von Conny Waßmuth nicht in den Finals vertreten. Den Olympiasieg im K1 der Damen über 200m sicherte sich wie schon in London Lisa Carrington (NZL) vor Marta Walczykiewicz (POL) und Inna Osipenko-Rodomska (AZE).

 

C1 Herren 1000m Zeit
1. Sebastian Brendel (GER) 3:56.926
2. Isaquias Queiroz dos Santos (BRA) 3:58.529
3. Serghei Tarnovschi (MDA) 4:00.852

 

K2 Damen 500m Zeit
1. Gabriella Szabo/Danuta Kozak (HUN) 1:43.687
2. Franziska Weber/Tina Dietze (GER) 1:43.738
3. Karolina Naja/Beata Mikolajczyk (POL) 1:45.207

 

K1 Damen 200m Zeit
1. Lisa Carrington (NZL) 39:864
2. Marta Walczykiewicz (POL) 40:279
3. Inna Osipenko-Rodomska (AZE) 40:401

 

K1 Herren 1000m Zeit
1. Marcus Walz (ESP) 3:31.447
2. Josef Dostal (CZE) 3:32.145
3. Roman Anoshkin (RUS) 3:33.363
7. Max Hoff (GER) 3:37.581

Komplette Ergebnisse:

https://www.rio2016.com/en/canoe-sprint-schedule-and-results

Quelle: www.kanu.de

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